Heizungsförderung 2026: was sich am 21. Juli geändert hat
20. August 20267 Min. LesezeitBM HAUS Viersen
Kurz gefasst: Seit dem 21. Juli 2026 gilt weiterhin eine Grundförderung von 30 Prozent. Der Klimageschwindigkeitsbonus wurde von 20 auf 16 Prozent gesenkt, der Einkommensbonus neu gestaffelt, der Effizienzbonus ersatzlos gestrichen.
Die Summe ist im Regelfall auf 70 Prozent gedeckelt und erreicht 80 Prozent nur mit dem vollen Einkommensbonus. Förderfähig sind für die erste Wohneinheit höchstens 28.000 Euro.
Was sich konkret geändert hat
Die Heizungsförderung läuft weiter über das KfW-Programm 458. Verändert wurden nicht die Grundlagen, sondern die Höhe einzelner Bausteine — und genau das macht ältere Berechnungen unbrauchbar.
Gegenüberstellung: vorher und seit dem 21. Juli 2026
| Baustein | Vorher | Jetzt |
| Grundförderung | 30 % | 30 % — unverändert |
| Klimageschwindigkeitsbonus | 20 % | 16 % |
| Einkommensbonus | 30 % bis 40.000 € | 40 / 30 / 10 % gestaffelt |
| Effizienzbonus | 5 % | entfallen |
| Obergrenze | 70 % | 70 %, mit vollem Einkommensbonus 80 % |
PraxisrelevantEin Haushalt, der im Frühjahr mit 20 Prozent Klimabonus und 5 Prozent Effizienzbonus gerechnet hat, verliert gegenüber dieser Rechnung neun Prozentpunkte. Bei 28.000 Euro förderfähigen Kosten sind das rund 2.500 Euro.
Die Bausteine im Einzelnen
Grundförderung, 30 Prozent. Sie steht jedem zu, der eine förderfähige Heizung in ein Bestandsgebäude einbaut — Bauantrag mindestens fünf Jahre alt. Neubauten sind ausgeschlossen. Es ist der einzige Baustein, den auch Vermieter erhalten.
Klimageschwindigkeitsbonus, 16 Prozent. Er belohnt den frühen Austausch einer noch funktionierenden alten Heizung, und zwar nur bei selbstnutzenden Eigentümern. Erfasst sind Öl-, Kohle-, Gasetagen- und Nachtspeicherheizungen sowie Gas- und Biomasseheizungen ab 20 Jahren. Wer erst tauscht, wenn die alte Anlage ausfällt, verliert diesen Baustein.
Einkommensbonus, 40, 30 oder 10 Prozent. Gestaffelt nach zu versteuerndem Haushaltsjahreseinkommen bis 30.000, 40.000 beziehungsweise 50.000 Euro.
Zwei Punkte werden regelmäßig verwechselt. Erstens ist das zu versteuernde Einkommen aus dem Steuerbescheid maßgeblich, nicht das Brutto — der Unterschied beträgt oft mehrere tausend Euro und entscheidet über die Stufe. Zweitens verschiebt ein Familienzuschlag die jeweilige Grenze einmalig um 10.000 Euro, wenn mindestens ein minderjähriges Kind im Haushalt lebt.
Der häufigste Fehler in Online-Rechnern
Die Bausteine addieren sich zwar, aber die Auszahlung ist gedeckelt: 70 Prozent im Regelfall. Auf 80 Prozent steigt der Deckel nur, wenn der volle Einkommensbonus von 40 Prozent greift. Wer 30 + 16 + 30 rechnet, kommt auf 76 Prozent — ausgezahlt werden 70.
Drei Rechenbeispiele
Jeweils mit 28.000 Euro förderfähigen Kosten
| Fall | Rechnung | Ergebnis |
| Selbstnutzer, Gas raus, über 50.000 € | 30 + 16 | 46 % · 12.880 € |
| Selbstnutzer, Gas raus, bis 40.000 € | 30 + 16 + 30 = 76, gedeckelt | 70 % · 19.600 € |
| Vermietetes Haus, Öl raus | nur Grundförderung | 30 % · 8.400 € |
Der Sprung zwischen Fall eins und zwei beträgt fast 7.000 Euro — allein durch die Einkommensstufe. Ein Blick in den Steuerbescheid lohnt sich vor dem Antrag.
Der teuerste Fehler kostet keinen Cent extra
Er besteht darin, in der falschen Reihenfolge zu handeln. Der Antrag muss vor Vorhabenbeginn gestellt sein — rückwirkend zahlt die KfW nicht. Wer zuerst den Auftrag erteilt, verliert den Zuschuss vollständig. Nicht anteilig.
Deshalb wird der Liefer- und Leistungsvertrag mit einer aufschiebenden Bedingung geschlossen: Er wird erst mit der Förderzusage wirksam. Fehlt diese Klausel, gilt das Vorhaben als begonnen.
- Planung und Angebot mit Festpreis
- Vertrag mit aufschiebender Bedingung unterschreiben
- Bestätigung zum Antrag erstellen lassen
- Antrag über das Portal „Meine KfW“ einreichen
- Förderzusage abwarten — erst dann montieren
- Nach Fertigstellung Nachweise nachreichen
Warum Warten teurer wird
Die maximal förderfähigen Kosten sinken bis 2030 halbjährlich, jeweils zum 1. Februar und 1. August. Zusätzlich wird der Klimageschwindigkeitsbonus ab dem 1. Februar 2027 halbjährlich reduziert. Dieselbe Anlage bringt in einem Jahr weniger Zuschuss als heute.
Zur VerbindlichkeitStand: 20. August 2026. Verbindlich sind stets das aktuelle Merkblatt zum KfW-Programm 458 und die geltende Förderrichtlinie. Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht nicht.
Der 55-Grad-Test: taugt mein Altbau für eine Wärmepumpe?
20. August 20266 Min. LesezeitBM HAUS Viersen
Kurz gefasst: Ob eine Wärmepumpe in Ihr Gebäude passt, entscheidet die benötigte Vorlauftemperatur — nicht das Baujahr. Kommt Ihr Haus an einem kalten Tag mit 55 Grad Vorlauf aus, arbeitet eine Luft-Wasser-Wärmepumpe wirtschaftlich.
Diesen Test können Sie selbst durchführen: Vorlauftemperatur absenken, zwei bis drei kalte Tage beobachten, notieren welche Räume kühl bleiben.
Warum das Baujahr die falsche Frage ist
„Altbau geht nicht“ ist der hartnäckigste Irrtum beim Thema Wärmepumpe. Er stimmt nicht, weil eine Wärmepumpe nicht das Baujahr eines Hauses sieht, sondern nur eine einzige Größe: wie heiß das Wasser sein muss, das durch die Heizkörper läuft.
Ein saniertes Haus von 1955 mit großen Heizkörpern kann besser geeignet sein als ein Haus von 1998 mit knapp bemessenen Flächen. Entscheidend ist das Verhältnis von Wärmebedarf zu Heizfläche — und das lässt sich prüfen, bevor irgendjemand ein Angebot schreibt.
Die Faustzahlen
Vorlauftemperatur und Eignung
| Benötigter Vorlauf | Bewertung |
| bis 45 °C | optimal — typisch für Fußbodenheizung |
| bis 55 °C | wirtschaftlich — der übliche Zielwert im Bestand |
| 55 bis 65 °C | möglich, aber teurer im Betrieb |
| über 65 °C | erst Maßnahmen am Gebäude oder an den Heizkörpern |
So führen Sie den Test durch
- Warten Sie auf eine kalte Phase — idealerweise um oder unter dem Gefrierpunkt.
- Stellen Sie an Ihrer bestehenden Heizung die maximale Vorlauftemperatur auf 55 Grad.
- Öffnen Sie alle Thermostatventile vollständig.
- Beobachten Sie zwei bis drei Tage lang.
- Notieren Sie, welche Räume nicht mehr richtig warm werden.
Werden alle Räume ausreichend warm, ist Ihr Gebäude grundsätzlich geeignet. Der Test ersetzt keine Berechnung, aber er beantwortet die Grundsatzfrage — kostenlos und ohne Termin.
Was ein negatives Ergebnis wirklich bedeutet
Bleiben ein oder zwei Räume kühl, heißt das nicht „geht nicht“. Es heißt: In diesen Räumen fehlt Heizfläche. Meist genügt es, dort einzelne Heizkörper zu vergrößern oder gegen Niedertemperatur-Modelle zu tauschen — deutlich günstiger als eine Komplettsanierung und günstiger als der Mehrverbrauch über zwanzig Jahre.
Bleibt dagegen das ganze Haus kalt, liegt das Problem nicht an einzelnen Heizkörpern, sondern am Wärmebedarf. Dann ist die sinnvolle Reihenfolge eine andere: erst die Gebäudehülle, dann die Heizung.
Was danach folgt
Der Selbsttest liefert eine Richtung, keine Zahl. Für ein belastbares Angebot braucht es eine raumweise Heizlastberechnung: Sie ermittelt für jeden einzelnen Raum, wie viel Leistung nötig ist, und zeigt, welche Heizkörper bei welcher Vorlauftemperatur ausreichen. Für die KfW-Förderung ist sie ohnehin Voraussetzung.
Ein ehrlicher HinweisWenn der Test bei Ihnen deutlich scheitert, sagen wir Ihnen das — und nennen die Maßnahme, die vorher sinnvoller ist. Eine Wärmepumpe, die dauerhaft über den Heizstab läuft, macht niemanden zufrieden.
Hydraulischer Abgleich: warum ohne ihn jede Wärmepumpe teuer wird
20. August 20265 Min. LesezeitBM HAUS Viersen
Kurz gefasst: Beim hydraulischen Abgleich wird die Wassermenge an jedem Heizkörper so eingestellt, dass alle Räume gleichmäßig warm werden. Ohne ihn versorgen sich die kurzen Kreisläufe zuerst, entfernte Räume bleiben kühl.
Die übliche Reaktion darauf ist, die Vorlauftemperatur anzuheben — und genau das macht eine Wärmepumpe teuer. Bei geförderten Anlagen ist der Abgleich Pflicht.
Das Problem in einem Satz
Wasser nimmt den Weg des geringsten Widerstands. Der Heizkörper zwei Meter neben der Pumpe bekommt deshalb mehr Durchfluss als der im Obergeschoss am Ende der Leitung — obwohl beide gleich viel bräuchten.
Was daraus im Alltag wird
Der Ablauf ist fast immer derselbe: Ein Raum bleibt kühl. Also wird die Heizkurve angehoben, damit auch dort genug ankommt. Danach sind die nahen Räume zu warm, ihre Thermostate drosseln ab — und die Anlage arbeitet dauerhaft mit einer Vorlauftemperatur, die eigentlich nur ein einziger Raum braucht.
Bei einer Gasheizung fällt das kaum auf. Bei einer Wärmepumpe schon: Jedes Grad mehr Vorlauf kostet Effizienz. Der Unterschied zwischen 45 und 55 Grad entscheidet darüber, ob eine Anlage günstig oder teuer läuft.
Was beim Abgleich tatsächlich passiert
- Raumweise Heizlast berechnen — wie viel Leistung braucht jeder Raum wirklich
- Daraus die erforderliche Wassermenge je Heizkörper ableiten
- Voreinstellbare Ventile auf diesen Wert einstellen
- Pumpenförderhöhe und Heizkurve passend dazu setzen
- Werte dokumentieren
Das ist Rechenarbeit plus eine Runde durchs Haus — kein Umbau. Fehlen voreinstellbare Ventile, werden sie getauscht; das ist der einzige nennenswerte Materialposten.
Woran Sie erkennen, ob er gemacht wurde
Prüfpunkte nach der Inbetriebnahme
| Frage | Was Sie sehen sollten |
| Gibt es ein Protokoll? | Liste mit Räumen, Heizlast und Ventileinstellung je Heizkörper |
| Sind die Ventile eingestellt? | Voreinstellwert am Ventil sichtbar, nicht überall gleich |
| Wie hoch ist die Heizkurve? | Ein Wert, der zur berechneten Vorlauftemperatur passt |
| Werden alle Räume gleichmäßig warm? | Kein Raum, der dauerhaft nachhinkt |
Bekommen Sie auf die erste Frage keine Antwort, wurde er mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht durchgeführt. Ein Abgleich ohne Dokumentation ist kein Abgleich.
Pflicht bei Förderung
Für geförderte Wärmepumpen ist der hydraulische Abgleich Voraussetzung. Bei uns ist er Bestandteil des Angebots und kein Zusatzposten — aus dem einfachen Grund, dass eine Anlage ohne Abgleich die Werte nicht erreicht, die im Angebot stehen.
Süd oder Ost-West? Welche Dachausrichtung sich für wen lohnt
20. August 20266 Min. LesezeitBM HAUS Viersen
Kurz gefasst: Eine Südausrichtung liefert den höchsten Jahresertrag, konzentriert ihn aber auf die Mittagsstunden. Eine Ost-West-Anlage liefert insgesamt etwas weniger, verteilt den Ertrag jedoch über den ganzen Tag.
Welche Variante besser passt, entscheidet Ihr Verbrauchsprofil: Wer mittags im Büro ist und abends kocht und lädt, holt aus Ost-West oft mehr heraus.
Zwei Kurven, zwei Logiken
Eine Südanlage zeichnet über den Tag eine schmale, hohe Kurve: wenig am Morgen, ein starker Gipfel um die Mittagszeit, früher Abfall am Nachmittag. Eine Ost-West-Anlage zeichnet eine breite, flachere Kurve mit zwei sanften Gipfeln — morgens und am späten Nachmittag.
Der entscheidende Punkt: Strom, den Sie nicht selbst verbrauchen, wird eingespeist — und Einspeisung bringt deutlich weniger als vermiedener Strombezug. Deshalb zählt nicht allein, wie viel eine Anlage produziert, sondern wie viel davon im eigenen Haus bleibt.
Wann Süd die bessere Wahl ist
- Jemand ist tagsüber zu Hause
- Eine Wärmepumpe läuft und kann mittags gezielt Wärme erzeugen und speichern
- Ein Speicher ist vorhanden, der den Mittagsüberschuss in den Abend verschiebt
- Die Dachfläche ist knapp — dann zählt jeder Kilowattstunde Jahresertrag
Wann Ost-West vorn liegt
- Berufstätiger Haushalt: Verbrauch morgens und abends, mittags fast nichts
- Ein Elektroauto, das abends geladen wird
- Große Dachfläche, die auf beiden Seiten belegt werden kann
- Ein Süddach, das teilweise verschattet ist
Bei Praxen und Gewerbeobjekten dreht sich das Bild: Dort fällt der Verbrauch tagsüber an, weshalb eine Südausrichtung meist direkt in den Eigenverbrauch geht.
Die Faktoren, die häufiger entscheiden als die Himmelsrichtung
Einflussgrößen auf den Ertrag
| Faktor | Bedeutung |
| Verschattung | am wichtigsten — Kamin, Gaube, Nachbarbaum, Antenne |
| Dachneigung | flachere Dächer verteilen den Ertrag gleichmäßiger übers Jahr |
| Nutzbare Fläche | Abstände zu Firstn, First und Traufe reduzieren die Belegung |
| Zählerschrank | kein Ertragsfaktor, aber oft der größte Kostenposten |
Eine perfekt ausgerichtete Südanlage mit einem Kamin mitten im Feld liefert weniger als eine ordentlich geplante Ost-West-Anlage ohne Verschattung. Deshalb beginnt jede seriöse Auslegung vor Ort und nicht am Satellitenbild.
Was wir für Sie rechnen
Nach dem Vor-Ort-Termin erhalten Sie eine Ertragsprognose für Ihr konkretes Dach — mit Verschattungsanalyse, Ausrichtung, Neigung und Ihrem tatsächlichen Stromverbrauch. Daraus ergibt sich, ob sich ein Speicher lohnt und in welcher Größe.
Stromspeicher: wann er sich rechnet und wann nicht
20. August 20265 Min. LesezeitBM HAUS Viersen
Kurz gefasst: Ein Stromspeicher lohnt sich vor allem dann, wenn ein großer Teil des Verbrauchs außerhalb der Mittagszeit anfällt. Er produziert keinen zusätzlichen Strom, sondern verschiebt vorhandenen Solarstrom in die Abendstunden.
Die richtige Reihenfolge lautet deshalb: erst das Verbrauchsprofil klären, dann die Speichergröße bestimmen — nicht umgekehrt.
Was ein Speicher leistet — und was nicht
Ein Speicher erhöht nicht den Ertrag Ihrer Anlage. Er erhöht den Eigenverbrauchsanteil: den Teil des erzeugten Stroms, den Sie selbst nutzen, statt ihn einzuspeisen. Da vermiedener Strombezug deutlich mehr wert ist als die Einspeisung, entsteht daraus der wirtschaftliche Effekt.
Daraus folgt unmittelbar: Wer seinen Solarstrom ohnehin tagsüber verbraucht, gewinnt durch einen Speicher wenig. Wer abends verbraucht, gewinnt viel.
Drei Profile
Typische Haushalte und der Nutzen eines Speichers
| Profil | Verbrauch | Speicher |
| Berufstätiges Paar | morgens kurz, abends stark | hoher Nutzen |
| Familie mit Homeoffice | über den Tag verteilt | mittlerer Nutzen |
| Praxis oder Büro | ausschließlich tagsüber | geringer Nutzen |
Beim dritten Profil geht der Solarstrom fast vollständig direkt in den Betrieb. Ein Speicher rechnet sich dort meist erst, wenn zusätzliche Anforderungen dazukommen — etwa Lastspitzenkappung oder eine Notstromfunktion.
Was die Rechnung verändert
- Wärmepumpe: verschiebt Verbrauch in die kalte Jahreszeit, in der die Anlage wenig liefert — der Speicher hilft hier weniger als oft erwartet
- Elektroauto: großer Abendverbrauch, der Nutzen steigt deutlich
- Warmwasser über Strom: lässt sich gezielt in die Mittagszeit legen und ersetzt teilweise einen Speicher
- Notstromfähigkeit: ein eigener Grund, der unabhängig von der Wirtschaftlichkeit zählen kann
Der häufigste Auslegungsfehler
Zu groß. Ein Speicher, der im Sommer nie vollständig entladen wird, kostet Geld für Kapazität, die nie zum Einsatz kommt. Sinnvoll ist eine Größe, die den üblichen Abendverbrauch deckt — nicht den maximal denkbaren Tag.
Deshalb steht am Anfang keine Kilowattstundenzahl, sondern ein Blick auf Ihre Jahresabrechnung und Ihren Tagesablauf. Erst daraus ergibt sich, welche Größe passt — und ob sich der Speicher überhaupt lohnt.
Unsere HaltungWenn ein Speicher bei Ihnen wirtschaftlich wenig bringt, sagen wir das. Eine Anlage ohne Speicher, die passt, ist besser als eine mit Speicher, die sich nie amortisiert.
Praxisumbau im laufenden Betrieb: so bleibt der Stuhl besetzt
20. August 20268 Min. LesezeitBM HAUS Viersen
Kurz gefasst: Beim Praxisumbau kostet nicht das Material das meiste Geld, sondern der Stillstand. Ein Umbau bei laufendem Betrieb wird deshalb in Bauabschnitten geplant: Es wird immer nur ein Bereich gesperrt, während in den übrigen Räumen weiterbehandelt wird.
Entscheidend sind drei Dinge: die Reihenfolge der Abschnitte, wirksame Staubabschottung und feste Zeitfenster für laute Arbeiten.
Warum die Rechnung anders aussieht als beim Wohnungsbau
Bei einer Wohnung ist eine Woche Verzögerung ärgerlich. Bei einer Praxis ist eine Woche Stillstand eine Woche ohne Umsatz — bei laufenden Fixkosten. Diese Größe übersteigt fast immer die Einsparung, die ein günstigeres Angebot bringen würde.
Deshalb wird ein Praxisumbau nicht nach Baukosten optimiert, sondern nach Ausfalltagen. Alles andere ordnet sich dem unter.
Die Reihenfolge der Bauabschnitte
Der Zuschnitt folgt einer einfachen Logik: Zuerst die Bereiche, die nicht für die tägliche Behandlung gebraucht werden, zuletzt die kritischen.
- Nebenräume, Lager und Personalbereich — hier stört der Bau am wenigsten
- Ein Behandlungsraum, während die übrigen in Betrieb bleiben
- Sterilisation und Technik — kurzer, eng geplanter Abschnitt
- Empfang und Wartezone — meist zuletzt, oft mit Provisorium
Für jeden Abschnitt steht vorab fest, welche Räume wie lange gesperrt sind. Sie können Ihre Terminvergabe danach ausrichten, statt kurzfristig absagen zu müssen.
Staub ist das eigentliche Problem
Lärm lässt sich in Zeitfenster legen. Staub nicht — er wandert. In einer Praxis mit Hygieneanforderungen ist er das größte Risiko für den laufenden Betrieb.
Maßnahmen zur Abschottung
| Maßnahme | Zweck |
| Staubschutzwände mit Schleuse | trennt Baubereich dauerhaft vom Behandlungsbereich |
| Unterdruckhaltung im Baubereich | Luft strömt hinein statt heraus |
| Abschottung der Lüftung | verhindert Verteilung über die Anlage |
| Tägliche Feinreinigung an der Schnittstelle | hält den Übergangsbereich sauber |
Zeitfenster für laute Arbeiten
Stemmarbeiten, Kernbohrungen und Estricharbeiten lassen sich nicht leise ausführen. Sie werden deshalb in Randzeiten gelegt — früh vor Behandlungsbeginn, in Mittagspausen, an Schließtagen. Das verlängert die Bauzeit gegenüber leeren Räumen, hält aber den Betrieb aufrecht.
Diese Fenster gehören verbindlich in den Terminplan, nicht in eine mündliche Absprache auf der Baustelle.
Was parallel mitgeplant werden muss
Ein Umbau ist der günstigste Zeitpunkt für alles, wofür ohnehin Wände und Decken geöffnet werden: Elektro, Netzwerk, Lüftung — und die Energietechnik. Wer die Photovoltaikanlage zwei Jahre später nachrüstet, öffnet dieselben Leitungswege ein zweites Mal.
Da eine Praxis ihren Strom tagsüber verbraucht, passt eine Solaranlage besonders gut zum Lastprofil. Wie wir beides zusammen planen, steht im Praxis-Energiekonzept.
Auflagen, die den Grundriss bestimmen
- Hygiene: Trennung reiner und unreiner Wege, Aufbereitungsraum, Oberflächen
- Strahlenschutz: Abschirmung und Raumlage für Röntgen und digitale Volumentomographie
- Lüftung: Luftwechsel in Behandlung, Sterilisation und Technikraum
- Brandschutz: Rettungswege, Türen, Anforderungen an Bauteile
- Barrierefreiheit: Zugang, Türbreiten, Sanitärbereich
Die konkreten Anforderungen ergeben sich aus Landesbauordnung, Strahlenschutzrecht und den Vorgaben der zuständigen Behörden und Zahnärztekammer. Sie werden vor Planungsbeginn für das jeweilige Objekt geklärt, damit die Abnahmetermine verbindlich im Terminplan stehen.